Warum einen Border-Collie?

Das fragten mich viele bevor ich mich endgültig entschloss mich genau für diese Hunderasse zu entscheiden. Vielleicht lag es daran dass ich als Kind diesen Hund (glaube ich wenigstens dass es sich um einen Border gehandelt hat) auf einen Bauernhof angekettet gesehen habe. Der arme Kerl tat mir fürchterlich leid, die Kette war sehr kurz und er hatte kaum Auslauf. Dann blickte ich in die Augen des Hundes und glaubte das ganze Leid der Welt liegt in diesem Blick. Aber auch der Stolz dass er trotz Kette immer noch ungebrochen in die Welt blicken konnte. Wenn er sich erhob und den Körper reckte war jeder Muskel angespannt und voller Kraft. Der Stolz dieses Hundes hatte es mir angetan. Obwohl ich noch Kind war, war mir bewusst dies ist eine ganz besondere Rasse.

Als ich mich dann entschloss einen Hund ins Haus zu holen war mir klar, es sollte ein Border-Collie sein. Also holte ich mir erstmal alle Lektüre die ich über diesen Hund erhielt und machte mich schlau. Da standen mir manchmal die Haare zu Berge und ich war kurz daran mein Vorhaben aufzugeben. Es wurde beschrieben wie schwierig diese Rasse ist und dass er stets Aufmerksamkeit und Zuwendung braucht. Hauptsächlich aber Kopfarbeit, da der Hund sonst nicht ausgelastet ist und der Besitzer erhebliche Schwierigkeiten mit der Erziehung bekommt. Sollte ich dieses Vorhaben wirklich weiterhin in Erwägung ziehen? Die ersten Zweifel kamen auf, ob ich dieser Aufgabe wirklich gerecht werden kann. Aber ich war bereit mit dem Hund in die Schule zu gehen, und auf den Hundeplatz meine freie Zeit zu verbringen. Tagsüber kann ich ihn mit zur Arbeit nehmen, da hat er genügend Platz und ich kann in der Mittagszeit mit ihm in den Wald und über Wiesen streifen. Liegt alles ganz nah an unserer Firma. Dank meiner Selbständigkeit kann ich doch meine Zeit einteilen und mehr mit meinem Hund unternehmen.

Gesagt, getan, ich hielt also nach einem Border-Collie Ausschau. Da kam ich auf die Internet-Seite der „Border-Collie aus dem Rhöner Land“ und hier waren gerade Welpen zu verkaufen.

Nichts wie hin! Und da waren sie! Süsse kleine Häufchen die versuchten die Welt zu erobern.

Mein ausgesuchtes „Exemplar“ war laut Züchter ein etwas ängstlicher Hund, aber dies sollte nichts zur Sache tun. Die Welpen mussten aber noch bei der Mutter bleiben denn die Kleinen waren noch nicht alt genug um alleine klar zu kommen. Am 28. November 2004 war es dann soweit und ich konnte meinen Hund nach Hause holen. Alles war vorbereitet. Das Bettchen zum Schlafen, Fressnapf, Spielzeug, alles stand bereit um den „Neuen Hausbewohner“ willkommen zu heißen.

Die ersten Ausflüge machten wir an der Leine. Dann wollte ich lt. dem Spruch. „Du läufst mir nach wie ein junger Hund“ das Experiment wagen und am 4. Tag ohne Leine an der Wiese lang gehen. Dies war ein Fehler! Ein stinkendes "Etwas", mit lauter Musik kam angefahren- und mein Hund war weg. Es war so gegen 20.00 Uhr und es war dunkle Nacht. Wo sollte ich den kleinen Kerl suchen? Alles rufen half nichts, Dusty war weg. Verzweifelt rannte ich nach Hause um Hilfe zu holen. Aber was musste ich sehen, Dusty stand zitternd, wie ein Häufchen Elend auf der Terrasse. Was war ich froh den Kleinen wieder zu haben. Es erstaunte mich natürlich dass er den Heimweg in der kurzen Zeit, die er bei uns ist, gefunden hatte. Aber Erleichterung machte sich breit. Seit diesem Erlebnis steht Dusty mit den Autos auf Kriegsfuß. Und dies sollte nicht das einzige Abenteuer bleiben. 

Ab Januar gingen wir regelmäßig zwei bis dreimal pro Woche in die Welpengruppe der Hundeakademie Darmstadt. Dann hatten wir auch wöchentlich Einzelunterricht, der Kleine sollte ja mal ein folgsamer Hund werden. Dusty fing an, trotz Einzelunterricht und Welpenstunden, sich mit Artgenossen nicht mehr zu vertragen. Ebenso hatte er Schwierigkeiten mit fremden Menschen. Die Trainerin fing er an anzuknurren, nach der 8 ten Einzelstunde gab diese das Training mit Dusty auf und sagte dass es besser wäre ein anderer Trainer würde weiter mit Dusty arbeiten da er sich einkapselt und keine Anweisungen annimmt. Zu diesem Zeitpunkt war Ich mit Dusty in der Junghunde-Gruppe und er war ca. ½ Jahr alt. Die Meinung der "Hundekenner" ging in dieser Zeit schon sehr auseinnander. Die eine Meinung, der Hund ist nicht genügend ausgelastet, die andere Meinung, der Hund ist zuviel ausgelastet. Jeder wusste es besser und gab gutgemeinte Ratschläge. Aber geholfen hatte mir keiner dieser weisen Sprüche. Ich musste weiter mit Dusty meinen Weg suchen. Manchmal war ich schon dem verzweifeln sehr nahe, aber ein Blick in seine Augen genügte um weiter mit Dusty zu arbeiten. Jeder kleine Erfolg brachte uns ein Stückchen weiter.

Danach ging ich von der Hundeakademie weg und ging in den Hundeverein in unserer Nähe, mit der Hoffnung dass mir dort geholfen wird. Anfangs ging alles ganz gut aber mit der Zeit legte Dusty wieder mit den alten Gewohnheiten los. Hundeanmachen usw.

Dann war Dusty bei uns auf der Arbeit und das Schicksal nahm seinen Lauf. Eine Kollegin ging mit Dusty über den Hof, ein LKW kam und Dusty war erneut weg und den LKW hinterher. Diesmal ging es auf die Schnellstraße die sich unmittelbar an unserem Firmengelände befindet. In diesem Moment hatte ich Dusty abgeschrieben. Den Autofahrern könnte man noch nicht einmal einen Vorwurf machen. Ein Ehepaar hielt an und stellte das Auto quer sodass kein weiteres Auto mehr weiter fahren konnte. Zufällig kam eine Polizeistreife vorbei und konnte Dusty von der Fahrbahn holen. Ich glaube ich hatte niemals vorher soviel Angst wie an diesem Tag. Dusty hatte nicht nur einen, sondern viele Hundeschutzengel.

So, sagte ich mir, nun wird es höchste Zeit dass Dustys Ausbildung Hand und Fuß annimmt. Dies sollte mir nicht noch einmal passieren. Durch Zufall erhielt ich die Adresse von einer guten Hundeschule in Flörsheim. Von diesem Zeitpunkt an ging es Bergauf. Ich ging nebenbei noch in einen Hundeverein um die Gewissheit zu haben dass die Auslastung genügt. In der Hundeschule machte ich erst die Prüfung für den Familienbegleithund und später die große BHP. Dies war geschafft und ich war mächtig stolz auf uns. Der Gehorsam ist wirklich gut und ans

weglaufen würde Dusty heute nicht mal mehr im Traum denken. Nur mit anderen Hunden / Menschen (manchmal) gibt es nach wie vor noch Probleme. Bei Hunden kommt es auf Sympathie an. Bei Menschen wie diese auf den Hund zugehen. Er mag es nicht wenn Fremde einfach auf ihn zugehen und versuchen zu streicheln oder zu knuddeln. Bei Dusty muß man abwarten bis der Hund auf den Menschen zugeht nicht umgekehrt. Das musste ich lernen zu akzepieren und an die Leute weiter zu geben.

Je länger ich in den Verein ging desto weniger Spaß hatte Dusty an dieser Arbeit. Teilweise ging gar nichts und ich konnte Dusty nicht bewegen an den Übungen teil zu nehmen. Dann kam der Zeitpunkt wo Dusty immer häufiger anfing zu humpeln. Anfangs nur manchmal dann wurde es schlimmer und ich ging zum Tierarzt zum Röntgen. Man vermutete eine Gelenkmaus, aber es kam schlimmer. Dusty hatte eine Knochensplitterung und musste Operiert werden. Das war furchtbar! Der Arzt stellte fest dass die Splitterung bereits im Welpenalter eingetreten sein muss,

durch Außeneinwirkung, vermutlich ein Schlag o. ä. Eventuell wurde Dusty vom Auto erwischt. Jedenfalls muss der Arme teilweise fürchterliche Schmerzen gehabt haben. Eine schreckliche Vorstellung. Obwohl ich oft mit Dusty beim Arzt war hatte keiner vorher etwas festgestellt. Die Operation verlief gut und Dusty erholte sich ziemlich rasch. Heute rennt der Junge wieder über Feld und Wiese und glaubt bestimmt manchmal ein Windhund zu sein. Ich habe noch keinen Hund so flitzen sehen und die Leute geben mir recht. Oft bleiben Sie stehen und fragen ob der Hund abgehauen ist. Nein, sage ich, der flitzt immer so. Das ganze Feld entlang bis zum Schluss und  wieder zurück. Laut Arzt darf Dusty aber keinerlei Sportarten mehr ausüben weder springen noch mit großen Artgenossen toben und keine Anstrengungen die auf die Gelenke gehen. Aber ich bringe es nicht fertig Dusty, der soviel Spaß am Laufen und rennen hat Einhalt zu gebieten. Er soll glückliche Jahre bei mir und mit mir verbringen.l

Ich ging, nachdem alles verheilt und wieder in Ordnung war erneut in den Verein, und in der Hundeschule machte ich Kurse in Agility und im Verein ebenfalls Agility und Obedience. Aber Dusty ließ sich sowohl in der Hundeschule als auch im Verein nur schwer zu den Übungen bewegen. Auch die Trainer merkten dass der Hund keine Freude an den Dingen hat. Dann habe ich es schließlich aufgegeben und gehe nun allein meine Runden und versuche ihn da zu begeistern, Da habe ich den folgsamsten Hund und er ist rundum zufrieden. So habe ich nun die Hundeschule sowie den Verein gelassen und mein Hund scheint glücklich über diese Entscheidung zu sein. Wir sind täglich ca. 3 Stunden unterwegs und machen Suchspiele haben Freude am Ballspiel und an manch anderen Übungen. Dusty wird wahrscheinlich immer ein änglicher Hund bleiben. Wir gingen, nachdem ich merkte dass ihm etwas Angst macht, ganz bewusst auf das Hindernis zu um zu zeigen dass keine Gefahr von dem "Ding" ausgeht. Aber die Unsicherheit wird er wohl nicht ganz ablegen können. Alles was fremd ist erschreckt ihn fürchterlich. Geräusche, Wind und Sturm machen ihn sehr zu schaffen, aber ich kenne meinen Hund inzwischen ganz gut sodass ich abschätzen kann was ich ihm zumuten kann.

Dann habe ich eine Dame kennen gelernt die in unserer Nachbarschaft bereits Hunde betreute und nun eine HUTA eröffnet hat. Anfangs war ich skeptisch Dusty einmal die Woche dort abzugeben. Aber ich hatte mir den Fuß verstaucht und konnte nicht mehr sooft mit Dusty früh und abends raus und bat die Dame um Hilfe. Tagsüber gingen meine Jungs mit Dusty Gassi, aber früh und abends war es etwas schwierig. Ich ging zwar humpelt mit ihm auf die Pirsch, aber halt mit zusammen gebissenen Zähnen. Dann entschloss ich mich doch Dusty in die HUTA zu geben.

Und ich war begeistert! Das klappte wunderbar! In keinen Verein oder Hundeschule ging Dusty bisher mit solcher Begeisterung! Der Kontakt mit Artgenossen hat sich erheblich verbessert. Nach jeden Besuch den Dusty dort macht merke ich eine Verbesserung. Aus einem unsicheren, ängstlichen Hund wird langsam ein Hund der auch Artgenossen akzeptiert. Zwar wird immer ein kleiner Rest der Unsicherheit, Ängstlichkeit bleiben aber mein Hund lernt mit der Gemeinschaft zu leben und andere Hunde zu tolerieren. Ich habe beschlossen zweimal die Woche meinen Hund in die HUTA zu geben. Und ich merke dass es ihm gut tut. Nicht öfter, das ist dann zuviel und ich will Dusty ja nicht abschieben sondern er soll lernen mit anderen Artgenossen auszukommen.

Ich war mit meinen Dusty bei Psychologen, bei Hundewelten, in Vereinen und Hundeschulen um das Fehlverhalten zu korrigieren. Jeder hatte einen anderen Rat und jeder hatte eigentlich eine andere Methode das Verhalten zu verbessern. Sicher trage ich auch einen Teil dazu bei dass Dusty so reagiert, aber alles abtrainieren hat nichts geholfen. Ich gehe mit lockerer Leine auf den anderen Hunde/Menschen zu und doch klappt es nicht immer ohne Schwierigkeiten vorbei zu kommen. Aber seit dem Besuch in der HUTA wird es von mal zu mal besser. So kann ich sagen, wirklich geholfen hat dann doch endlich der Verstand, das Bauchgefühl und Beates Hundetagesstätte.Außerdem gehe ich noch nach Flörsheim zur Unterordnung. Hier wird das Erlernte aufgefrischt und Dusty übt in der Gruppe das bekommt ihm bestens. So ist der Umgang mit anderen Hunden heute kein großes Problem mehr. Es hat viel Geduld gekostet, aber es hat sich gelohnt.

Von dieser Seite aus meinen herzlichen Dank!

Wenn jemand in der Nähe eine Tages-Unterkunft sucht, ich kann es nur wärmstens empfehlen. Hier darf ein Hund ein Hund sein und mit Artgenossen spielen, toben oder einfach nur dösen.

Die restlichen Tage nehme ich Dusty mir zur Arbeit, auch hier wird es ihm nicht langweilig. Meine Söhne spielen mit ihm Fußball, wir gehen spazieren durch Feld und Wald und die Welt ist für meinen Hund in Ordnung. Die ausgedehnten Spaziergänge quer Feld ein möchte ich nicht mehr missen. Dusty ist an meiner Seite und läuft und flitzt Feld auf und Feld ab.

Eine lange Zeit ist seit meinem letzten Eintrag vergangen und inzwischen wird Dusty im nächsten Monat 12 Jahre alt. In die Hundeschule oder HuTa geht Dusty nicht mehr, aber sonst ist er noch ganz fit. Und ich hoffe dass wir noch lange zusammen Freude haben werden.

Würde mir heute die Frage gestellt noch mal einen Border-Collie? Ja natürlich- und genau wieder meinen Dusty!

Schau in seine Augen und Du weißt warum!